Qihua-Prozess zweiter Teil: Die Verdauung und Ausscheidung

Was der Magen an „unreinen Stoffen“ übriglässt, geht in den Darm. Aus der Biologie wissen wir, dass dies zuerst der Zwölffingerdarm, danach der weitere Dünndarm ist, in der TCM ist für die weitere Verdauung der Dickdarm zuständig. Aus dem Darm werden Stoffe an die Milz übergeben, wobei dies über das Blut erfolgt, wofür die Milz in der TCM zuständig ist. Der in der TCM beschriebene Darm (Dickdarm) ist für das weitere Aufbereiten der Ausscheidung zuständig, wobei vor allem Flüssigkeiten entzogen werden. Wir wissen aber mittlerweile auch, dass die Verdauung für Vieles im Stoffwechsel als Speicher und Ausgleichsgefäß dient. So holen wir uns Salz aus dem Darm zurück, wenn wir zu wenig haben und der Darm spielt auch im Säure-/Basenhaushalt eine große Rolle, wie ich an anderer Stelle erkäre. Übrig bleibt der Stuhl, für den es auch Definitionen gibt, wie dieser aussehen soll. Nicht zu hart, aber dennoch eine Form bildend und in einem bestimmten Braunton wären hier Attribute der Gesundheit. Im Idealfall erfolgt der Stuhlgang am Morgen nach dem Aufstehen. In der Praxis „hilft oft die Milz“, was bedeutet, dass eine Ausscheidung nach Aufnahme des Frühstücks erfolgt und der Verdauungsapparat damit im Sinne eines FIFO-Systems1 durch den nun erhöhten Druck die Ausscheidung vollzieht.
Letztlich ist unsere Verdauung nichts anderes als ein Schlauch. Am Anfang ist eine Art Trichter – der Magen -, in den wir das Essen füllen. Wenn die Verdauung bereit ist, entnimmt sie etwas aus dem Trichter, der Magen leert sich. Der Dünndarm ist auf diese Weise voll von einem ziemlich flüssigen Brei, im Magen kann Luft den verbleibenden Platz füllen. Im Dickdarm arbeiten dann Bakterien an der Zersetzung der Nahrung und der Abfallstoffe, wodurch Gase und Blähungen entstehen können.
In der Verdauung haben wir einen richtigen Recycling-Kreislauf. Wie bei einer Kläranlage führen wir zuerst Flüssigkeiten zu, um sie dann im Dickdarm wieder zu entziehen. So übergeben wir ca. neun Liter Flüssigkeiten täglich an den Dickdarm, wovon wir nur eine ganz kleine Menge (ca. 100 ml) ausscheiden. Interessant in diesem Zusammenhang ist dass es auch eine Verstopfung geben kann, ohne dass der Stuhl hart wird. In diesem Fall hält der Dickdarm zu sehr fest und die Perestaltik verebbt. Eine wesentliche Eigenschaft des Metalls ist das Loslassen und diese Energie kann im Alter zunehmend verloren gehen. Verantwortlich dafür ist falsches Essen, zuviel tierisches und zuwenig pflanzliches Eiweiß und Fett (vor allem Omega3-Fettsäuren) sorgen für sauren Stuhl, womit die Schmierung des Basischen fehlt (Seife ist basisch). Auch zuviel Zucker verursacht Probleme. Zucker bindet Flüssigkeiten und es entsteht das, was die Chinesen unter „feuchter Milz“ bezeichnen: eine feuchte Verdauung.
Prinzipiell bedeutet eine feuchtere Verdauung mehr YIN. Wenn die Kraft des Dickdarms (YANG) schwindet, muss der Stuhl weicher werden, damit wir ihn ausscheiden können. Auch das ist ein Beispiel für das Zusammenspiel von YIN und YANG.
Bei alldem spielt auch die Leber (mit der Gallenblase) mit. Wie wir aus der Biologie wissen, scheidet die Galle ihre Flüssigkeit in den Darm aus, womit sich die Leber reinigt. Gleichzeitig bildet die Gallenflüssigkeit die Voraussetzung für die Verdauung von Fetten. In der TCM heißt das, dass die Leber für den reibungslosen Fluss verantwortlich ist. Kommt es zu Blähungen, so spricht man von „stagnierendem Leber-Qi“ oder davon, dass das Qi der Leber in Magen, Milz oder Darm eindringt, je nach dem Ort der Probleme. Die Ursache wäre damit sowohl im betroffenen Organ (Magen, Milz oder Darm), als auch in der Leber zu suchen. Die Leber steht dabei oft für unseren westlichen Lebensstil (Stress, Tagesablauf), die Organe eher für das, was wir essen.
1In der Logistik kennt man Systeme, für die „First In, First Out“ gilt. Das bedeutet, dass jene Artikel, die zuerst eingelagert wurden, auch zuerst wieder aus dem Lager kommen. Man kann sich so ein Lager einfach als sehr langes Förderband vorstellen, was der Darm letztlich ja auch ist.
